(Fast) alles falsch

 

10.12.2009

Fachartikel VKÖ - Oberst Willibald Plenk

 

Gefälscht und verfälscht wurde und wird fast alles was uns im Alltag umgibt. Politik, Wirtschaft, Religion und Medizin sind ebenso betroffen, wie Urkunden, Banknoten, Kunst, Literatur, Computer und Lebensmittel. Beispiele dafür gibt es in Gegenwart und Vergangenheit. Oft sind sie so perfekt, so perfekt, dass sie als Fälschungen lange nicht erkennbar sind. 

 

Berühmte Fälschungen

Aus der Geschichte als Fälschung bekannt ist die „Konstantinische Schenkung“ welche die Begründung des Kirchenstaates beweisen soll. Auch Hamburgs Stadturkunde von 1189, angeblich ein Freibrief von Friedrich Barbarossa, ist in Wirklichkeit ein Produkt von findigen Kaufleuten dieser Stadt. Aus neuerer Zeit stammt der berüchtigte „Santilli-Film“ der die Obduktion eines „Außerirdischen“ zeigt.

Auch die durch Veröffentlichung im  Magazin „Stern“ bekannt gewordenen angeblichen

„Hitler-Tagebücher“ sorgten für eine handfesten Skandal. Die Geschichte dieser Fälschung wurde sogar im Film Schtonk dargestellt.

 

Nichts ist sicher

Die die Frage muss daher lauten, was wurde nicht gefälscht ? - Denn egal ob es Briefmarken oder Urkunden, Bilder oder Gewürze, Daten oder Adelstitel, Identitäten oder Ausweise sind, vor Fälschern ist nichts - aber auch gar nichts sicher.

Eines aber ist sicher, nicht nur beste Geräte und Werkzeuge sind Grundvoraussetzungen für eine gelungene Fälschung, sondern auch eine profunde Sachkenntnis auf dem jeweiligen Gebiet. Selbst diese zwei - wenn auch sehr wichtigen Vorstufen - sind eben nur Teile eines beabsichtigten Betruges. Wirklich entscheidend bei der Fälschung ist die Vorgangsweise. Erst das entsprechende Auftreten, die außergewöhnlichen Sach-und Fachkenntnisse sowie die überzeugende Art und Weise, wie er sein Werk darstellt, verhelfen dem Fälscher zu seinem Erfolg.

 

Der Fall Rembrandt

Die schwierige Frage der Unterscheidung zwischen einem Original eines Alten Meisters und einer vorsätzlichen Fälschung soll am Fall von Rembrandt-Bildern gezeigt werden. Allein in den Jahren 1909 bis 1951 sind in den Akten der US-Zollbehörde 9428 Arbeiten als von Rembrandt geschaffen, eingeführt worden. Nicht eingerechnet sind alle anderen echten Rembrandt`s die sich in Museen und im Privatbesitz befinden. Wenn.- diese Zahl stimmt- dann hätte der Künstler während seines Berufslebens in drei Tagen je zwei Werke schaffen müssen.

Einen gewissen Teil der Verwirrung hat der Maler wohl selbst gesorgt. Er unterhielt zahlreiche Werkstätten (damals durchaus üblich und legal) in denen seine Schüler  Werke produzierten, die er persönlich signierte und dann als die seinen verkaufte.

 

Menschliche Schwächen

Genau diese Zweifel und Fragen, die Gier und die Hoffnung vieler Menschen ein Original zu besitzen, machen sich die Fälscher zu Nutze.  Die Londoner National Gallery besitzt ein Bild mit der Bezeichnung „Mann mit der Pelzkappe“. Es trug lange Zeit die Bezeichnung „Imitation von Rembrandt“, möglicherweise aus dem 18. Jhdt. Nun lebte der Meister aber ca. einhundert Jahre früher. Sogar die Signatur wurde für gefälscht gehalten.

Tatsächlich haben aber die neuesten Techniken und die viel genaueren Untersuchungen ergeben, dass dieses Bild echt ist.

Dies wiederum ist der Nährboden, wo Fälscher und Fälschungen gedeihen können.

Der klassische Fall einer Fälschung ist die Banknote. Im Jahr 1992 wurden in den USA bei Banküberfällen ein Schaden von 63 Mio. Dollar verursacht.

Die Verluste durch Fälschungen betrugen 4200 Mio. Dollar. Immer wieder werden Fälschungen per Computer durchgeführt. Auch  verhältnismäßig einfache Geräte, weisen eine erstaunlich hohe technische Qualität auf und bieten damit viele Möglichkeiten.

 


 

Beweis und Gegenbeweis

 

Mehr als 50 Jahre reiste das Bild "Seineufer bei Port Villez" als Leihgabe um die Welt. Ein Meisterwerk, darin war sich die gesamte Kritikerwelt einig.Nur eben, dass es nicht von Monet ist, sondern schlicht eine- Fälschung. Ein Monet - Experte machte auf den untypischen Farbauftrag aufmerksam. Eine simple Untersuchung zeigte darauf hin, dass der Keilrahmen und überstehende Leinwand mit brauner Lasur nur auf alt getrimmt worden waren. Infrarotstrahlen enthüllten eine detaillierte Vorzeichnung - selbst die ersten Buchstaben der Signatur waren vorskizziert worden !

 

Ganz anderes kam  beim Bild eines Malers anlässlich einer strengen Untersuchung zu Tage: das Bild sollte gegen einen hohen Preis den Besitzer wechseln, die Echtheit wurde jedoch angezweifelt. Bei der Überprüfung stellte sich jedoch heraus, dass das Bild von einem ganz bestimmten Standort des Malers entstanden sein musste, nämlich in einer alten Pappelallee an der Seine. Die Analyse des Bildes ergab, dass durch Zufall während des Malens der Wind eine winzige Pappelknospe auf das noch nicht trockene Bild wehte und - nur diese Pappelart wächst dort und war botanisch diese winzige Spur so alt wie das Bild ! Sohin war der Zweifel zerstreut, das Bild echt !