Handys mit Schlitzaugen |
|
|
14.12.2009 Fachartikel VKÖ - Tam Hanna
Sony Ericssons XPERIA X1 kostet rund 700 Euro. Nur wenige wissen, dass der Ziegel – wenn er vom chinesischen Hersteller HTC an Sony Ericsson verkauft wird – um maximal 200 Euro den Eigentümer wechselt. Der Rest des stolzen Preises entfällt auf Garantie, Softwarelizenzen und diverse Behörden.
Es liegt daher nahe, anhand von sog. Referenzdesigns der Chiphersteller eigene Planare zu bauen. Aufgrund der laxen chinesischen Rechtslage können diese – ansprechend verpackt - billigst verkauft werden. Mangelnde Durchsetzung des vorhandenen Urheberrechts ermöglicht das Kopieren von Gehäusedesigns, womit der Weg zum Telefon geebnet ist.
Chinesische Fälscher haben mittlerweile ein derartig hohes Niveau erreicht, dass sie Geräte teilweise vor deren offiziellen Erscheinen „klonen“. Das oben gezeigte Bild eines Nokia N79 zeigt einen derartigen Klon, der aber von der Technologiepresse lange Zeit als Original gehandelt wurde. Der Schwindel flog erst auf, als Nokia – echte - Testexemplare verteilte.
Derzeit leiden die Fälschungen noch unter der mangelhaften Qualität der Software. Da jedoch mit Android und Symbian bald zwei quelloffene Betriebssysteme verfügbar sind, ist an dieser Front bald mit „Besserung“ zu rechnen.
Obwohl die Rechtslage eindeutig ist, haben Hersteller gegen die Fälscher oftmals einen schweren Stand. Chinesische Behörden sind für ihre Untätigkeit in Sachen Urheberrecht bekannt – besonders, wenn es sich um den „kapitalistischen Klassenfeind und Ausbeuter“ handelt.
Die einzige Handhabe findet sich durch Belangen der Käufer und die Verhinderung der Einfuhr. Da den Käufern jedoch nur selten Vorsatz nachzuweisen ist (sie wissen oft selbst nicht, was sie erwerben) und der Import am Zoll vorbei (notfalls durch Austricksen des technisch meist wenig versierten Beamten) erfolgt, ist auch auf diesem Wege wenig zu erreichen.
Bis sich die chinesische Rechtslage ändert, bleibt nur der Grundsatz aus dem US-Recht: Caveat Emptor – oder, auf gut Englisch: Buyer beware…
|