GUTE GESCHÄFTE IN DER KRISE 

 

01.06.2009

Fachartikel VKÖ

Wehklagen in der Wirtschaft, Umsatzeinbrüche allerorts, Endzeitstimmung in manchen Branchen. Scheinbar unberührt davon die Sicherheitsbranche. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend, scheinen Firmen die Sicherheitsdienstleister Gewinner der Krise zu sein.

Wirtschaftskrise und Kriminalitätsbelastung verunsichern die Bewohner unserer Republik. Wie es scheint, trotzt Herr und Frau Österreicher der Wirtschaftskrise auf stoische Weise und ignoriert sie einfach. Anders reagiert der Österreicher auf die steigende Kriminalität, hier sieht der Bürger offensichtlich eine Möglichkeit ihr zu entgehen – er investiert in Sicherheitsmaßnahmen.

Die allgemeine Kriminalitätssteigerung von bundesweit 5,9% oder von 10.980 Delikten in den ersten vier Monaten dieses Jahres ist vor allem auf die Steigerung der Einbrüche zurückzuführen. 6.200 Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser verzeichnet die aktuelle Kriminalstatistik von Jänner bis März. Die Erhöhung nach Prozentzahlen: 16,6% bei Wohnungseinbrüchen und 37,7% bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser. Das rechtfertigt doch wohl Geld in Sicherheitsmaßnahmen zu investieren.

Besonders krass ist die Steigerung bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser wenn man den August des Vorjahres mit 236 Einbrüchen mit dem April dieses Jahres mit 641 vergleicht. Eine Steigerung um das 2,7fache kann man nicht einfach als jahreszeitlich übliche Schwankung erklären.

Brennpunkt bei den Wohnungseinbrüchen ist die Bundeshauptstadt Wien. 65% mehr Anzeigen (von 612 auf 1010 von August 2008 bis April 2009) in diesem Bereich registrierte man alleine in Wien. Dagegen nimmt sich die Gesamtzunahme aller Delikte von 14,5% fast bescheiden aus. Es ist offensichtlich, dass sich Einbrecher Wohnungen und Einfamilienhäuser als aktuelle Zielobjekte auserkoren haben.

Die tatsächliche Situation im Bereich Einbruchskriminalität und das tägliche Stakkato der Tagespresse führten dazu, dass die vielleicht schon geplante Sicherung des Haushaltes tatsächlich in Angriff genommen wurde oder noch wird. Die Angst einen Schaden nicht ersetzen zu können, verstärkt sich natürlich in Zeiten der Wirtschaftskrise, die Folge: eine Kaufentscheidung.

Eine Rundfrage in der Branche zeigt, dass zwei Sicherungen die Renner zu sein scheinen: Alarmanlagen und Videoüberwachung.

Ein Brancheinsider schätzt eine Umsatzsteigerung bei Alarmanlagen von etwa 25% gegenüber 2008. Auch Securitas, einer der großen Branchenleader, bestätigt das. Der Sicherheitssupermarkt Security-Land will gar um 100% mehr verkauft haben als im Vorjahr. Derzeit besitzen nur etwa 8% der Österreicher eine Alarmanlage, der Wunsch eine zu besitzen liegt aber bei 55%, ein weites Feld für fleißige Verkäufer. Wer jetzt erst nachdenkt, verschläft den Boom. Lt. einer Umfrage des Market-Instituts sind 50% der Österreicher bereit bis zu 500,- Euro für eine Alarmanlage zu investieren

Doch zurück zu einem der vermutlichen Auslöser der Alarmanlagenverkaufwelle durch private Haushalte.

Nach der Marketing-Umfrage denkt der Österreicher, dass ein Sicherheitsschloss oder eine Sicherheitstüre das beste Mittel gegen einen Einbruch sei.

Bei EVVA, einem der großen Schlosshersteller in Österreich, steigen vielleicht auch deshalb die Umsatzzahlen. Um 9 Millionen (von 86 auf 95 Millionen) oder etwas mehr als 10% stieg der Umsatz. Auch bei EVVA registriert man ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein, ein einfaches Schloss kauft heute niemand mehr.

Interessant, dass nur 23% der Österreicher eine Videoüberwachung als sehr gutes bzw. 38% als gutes Mittel gegen Einbrüche sieht. Videoüberwachungsanlagen werden damit im Gegensatz zu anderen Maßnahmen eher nicht als bevorzugtes Sicherungsmittel angesehen. Im Gegensatz dazu stehen aber die Verkaufszahlen. Ein wahrer Boom wird hier registriert. 240 Anmeldungen von Videoanlagen vermeldet die Datenschutzkommission in den ersten vier Monaten des heurigen Jahres. Zum Vergleich: 2007 gab es insgesamt nur 370 Anmeldungen. Wenn man noch bedenkt, dass ein Teil der privaten Nutzer solcher Anlagen mangels Wissen über die rechtliche Situation diese nicht anmeldet, muss man wohl von einer entsprechenden Menge illegaler Anlagen ausgehen. Für den Boom ist vielleicht, neben Wirtschaftskrise und Kriminalität, noch eine andere Komponente ausschlaggebend - die Änderung der gesetzlichen Situation. Auf Grund einer Entscheidung der Datenschutzkommission (DKS) ist es jetzt möglich Anlagen ohne Genehmigung der DKS errichten, wenn diese Anlagen nur das eigene Grundstück überwachen und nicht auch Gehsteige oder andere Grundstücke.

Wäre dann noch die Möglichkeit der Absicherung seiner Liegenschaft durch einen privaten Wachdienst. Laut Harald Neumann von G4S-Österreich, erlebt auch der Nachtwächter eine Renaissance. In besseren Gegenden fühlen sich die Einwohner beruhigter, wenn mehrmals pro Nacht eine Revierstreife einer Sicherheitsfirma die Gegend durchfährt. Mag sein das dies beruhigt, ob es hilft ist eine andere Sache. So sieht es auch die Marketumfrage, nur 22% sehen in einem Wachdienst eine sehr gute Sicherung gegen Einbrecher und Diebe.

Richard Benda