KRIPO 2020 – EINE PERSPEKTIVE

 

08.02.2010

Genug reformiert, genug umorganisiert, lasst uns in Ruhe arbeiten so die einhellige Meinung innerhalb der Polizeibasis. Eine Studie aus Salzburg zeigt, dass die fortlaufenden Reformen wesentlich zur Frustration der Polizeibeamten beitragen.

Die Lösung scheint einfach: lassen wir doch den Status quo von heute für die nächsten Jahrzehnte und alles wird gut. Geht das überhaupt? Wer auf diese Frage mit „ja“ antwortet ist ein Träumer. Die Polizei als Ganzes und der Kriminaldienst im Besonderen wird sich weiter verändern, ja verändern müssen. Verändern, weil die Umstände, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen Veränderungen aufzwingen.

 

Gehen wir zurück in das Jahr 2003. Die Entwicklung der Kriminalität, vor allem der Wechsel von vorwiegend inländischen Tätern zu ausländischen Ganoven machte es notwendig das Rayonssystem in ein Fachgruppensystem zu ändern. Ein Schelm wer behauptet, dass die Einsparung von Beamten allgemein und die Reduzierung der Zahl der Kriminalbeamten nicht auch in der Zielvorgabe lagen. Beide Umstände wurden nicht von der Polizei oder vom Kriminaldienst verursacht, hatten aber doch wesentliche Veränderung für uns zur Folge. Es sind auch oft nur kleine Veränderungen die zur Auflösung von ganzen Kriminal-Gruppen führen oder zur Gründung der x-ten Soko. Weniger Autodiebstähle – weniger Kfz-Gruppen. Anstieg der Delikte in Ostösterreich – Gründung der Soko Ost. Nur zwei Beispiele wie selbst minimale Veränderungen für den Einzelnen zu wesentlichen dienstlichen Veränderungen führen können.

 

Und glaubt irgendjemand, dass in Zukunft keine äußeren Umstände Auswirkungen auf unseren Dienst haben werden? Neue Delikte werden auftauchen, neue Techniken eingeführt, ja selbst Klimawandel und Wirtschaftskrisen werden die Kriminalität beeinflussen. Dem Bm.I bleibt gar nichts anderes übrig als wieder Umschichtungen vorzunehmen, neue Gruppen zu gründen, andere aufzulösen etc. etc.

 

Unsere Vereinigung sieht es als Aufgabe an, sich ebenfalls Gedanken zu machen, was auf uns zukommt. Wie wird der Kriminaldienst in Zukunft, etwa in zehn Jahren, also 2020, aussehen?

In jeder Ausgabe von kripo.at in diesem Jahr werden wir einen Teilbereich der gesellschaftlichen oder technischen Entwicklung betrachten, der unseren Dienst beeinflussen könnte. Wir werden Fachleute befragen und Meinungen einholen. Wer an der „Perspektive Kripo 2020“ mitarbeiten will, kann sich gerne melden. Gegen Jahresende werden wir die Ergebnisse in Form eines Fachforums zusammenfassen.

Ob unsere Perspektiven stimmen, werden wir aber erst 2020 überprüfen können.

 

Richard Benda, Präsident