Dr. Mark Benecke – Der „Madendoktor“ war da

 

24.01.2010

Bericht VKÖ - RB

Dass Sänger und Schauspieler eine Fangemeinde haben können ist bekannt. Bei einem Biologen ist das eher die Ausnahme und nicht die Regel. Dr. Mark Benecke, seines Zeichens Kriminalbiologe und besser bekannt unter „Madendoktor“ ist so eine Ausnahme.

Es ist nicht jedermanns Sache sich mit zersetzenden Leichen zu befassen, für Dr. Benecke eine Alltäglichkeit. Seine Fangemeinde bewundert ihn dafür, besteht aber keineswegs aus nekrophilien Perversen. So saßen bei seinem Auftritt am 20. Jänner in Wien Pathologen, Polizisten, Detektive und Medizinstudenten – vor allem weibliche – im Vortragssaal. Sie alle waren gekommen um etwas über Forensische Biologie zur Unterstützung in der Beweisführung, DNA, Blutspuren und Madenbefall zu hören. Sie wurden nicht enttäuscht.

Als die Zeitschrift „Der Detektiv“ Dr. Benecke nach Wien holte erklärte sich die Vereinigung Kriminaldienst Österreich“ sofort bereit das Vorhaben zu unterstützen, denn natürlich ist die Thematik für Kriminalisten von Interesse. Was Kriminalisten wissen, aber den meisten Laien nicht bekannt ist: Was macht Benecke eigentlich. Kriminalbiologen werden meist dann als Sachverständige herangezogen, wenn niemand anderer mehr weiter weiß. Dann werten Dr. Benecke oder einer seiner Kollegen mit Hilfe ihres umfangreichen Wissens der forensischen Biologie Spuren wie Madenbefall auf Leichen, Blutspuren, DNA etc. zur Unterstützung der kriminalistischen Beweisführung aus.

Vor allem wird Dr. Benecke herangezogen, um den Todeszeitpunkt eines Menschen, der als Leiche aufgefunden wurde, festzustellen. Häufig handelt es sich dabei nicht um Leichen erst kürzlich zu Tode gekommene Personen, sondern auch um ganz oder teilweise skelletierte Leichen. Wie wichtig der Todeszeitpunkt ist, kann jeder bei einem Mordfall ermittelnde Beamte bestätigen. Von wegen Alibi eines Mordverdächtigen und so. Außer dem Todeszeitpunkt stellt Dr. Benecke auch fest, ob die Verstorbenen am Ablageort auch den Tod fanden. Merke: Leichen können auch transportiert werden. Benecke hat für diese Arbeit eine ganze Schar von Helfern, vor allem Maden, aber auch Käfer und anderes Getier zeigen ihm wann aus einem lebenden Menschen eine Leiche wurde.

An Hand von konkreten Fällen erklärte Benecke seine Arbeitsweise, vor allem aber worauf ermittelnde Beamten, aber auch Gerichtsmediziner achten müssen, denn meist werden biologische Spuren nicht beachtet.  Den Abschluss des Tages-Symposium bildete ein fast esoterisches Thema: Die Selbstentzündung von Menschen. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts sind Fälle dokumentiert, bei dem Menschen aus scheinbar unbekanntem Grund verbrannt sind während rund um sie keinerlei Brandspuren vorzufinden sind. Auch hier holte Benecke ein geheimnisumwittertes Thema in die Realität zurück. Aber warum sind Menschen, übrigens ausschließlich Frauen, tatsächlich verbrannt und warum blieben nur ihre Füße unverbrannt zurück? Die Teilnehmer des Symposiums wissen es. Wer nicht da war braucht nicht zu darben, Benecke kommt sicher wieder nach Österreich.

RB