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SEMINAR BRANDURSACHENERMITTLUNG |
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05.03.2010 Bericht: VKÖ
Die Kriminalität veränderte sich in den letzten Jahrzehnten, darüber besteht kein Zweifel – aber Brände? Ein Brand ist ein Brand, der kann doch heute nicht anders als vor 20-30 Jahre sein! Frank D. Stolt, Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachenermittlung, belehrte uns eines besseren.
Bereits im ersten Teil seines Seminars „Erfahrung versus Wissenschaftlichkeit“ zeigte er an Hand praktischer Fälle die Veränderung bei Brandgeschehen und damit bei der Brandursachenermittlung auf. Flashover, Backdraft waren früher fast unbekannte Phänomene. Während früher für die Ausbreitung von Bränden fast ausschließlich die Strahlung verantwortlich war, ist es heute die Wärmeströmung, eine Gegebenheit, die für die Ermittlung der Brandursache nicht unbedeutend ist. „Das hat zu einer dramatischen zeitlichen Verschiebung der Brandausbreitung geführt“ so Stolt im Original. Vorerst einmal ein Problem für die Feuerwehr, denn während vor Jahrzehnten ein Zimmerbrand etwa 15-20 Minuten dauerte, sind es heute 3-6 Minuten. Hilfeleistung innerhalb von 10 Minuten, die früher angenommen wurde, ist damit kaum mehr rechtzeitig vor Ort. In zweiter Linie ein Problem für die Brandursachenermittler, denn die stehen nun viel öfter als früher vor total ausgebrannten Brandorten. Es bedarf keiner Erklärung, dass die Spurenlage im Brandschutt nach einem Vollbrand ungleich schwerer ist, als in einem teilweise intakten Umfeld. Während in der Vergangenheit Brände vorwiegend von Holz genährt wurden, sind es heute vor allem Kunststoffe (PVC) die Brände verändern. Die Rauchentwicklung (aus ein cm3 PVC wird z. B. ein m3 Rauch) und die Umwandlung von PVC zu Salzsäure machen Brände heute weit mehr zur Umweltbelastung. Apropos Umweltbelastung: Brandschutt ist kontaminiert und müsste daher entsprechend entsorgt werden. Eine Entwicklung der kaum Rechnung getragen wird. Die Gefahren der Kontaminierung wurden vor allem im Teil „Arbeitsschutz und Eigensicherung“ behandelt. Kaum jemand weiß, dass er an einem Brandort an dem PVC verbrannt worden ist, in einem Salzsäuredampf arbeitet. Im Kapitel „Brandfahnder als Manager des Brandortes“ zeigte Stolt auf, dass für Brandursachenermittler die Arbeit weit vor dem Ereignis beginnt und lange nach Verlöschen der letzten Flammen endet. Brandermittler müssen, wenn sie nicht vor zerstörten Spuren stehen wollen, intensiven Kontakt mit der Feuerwehr ihres Bereiches haben. „Prävention gegen die Zerstörung von Spuren“ könnte man dies nennen. Früher endete die Ermittlung meist am Brandort denn schon dort wurde über die Ursache entschieden, heute hat das Labor das letzte Wort. Verinnerlicht muss auch werden, dass ein Brandort ein Tatort ist und entsprechend behandelt werden muss. Ein von einem am Rande beteiligten Polizisten oder Feuerwehrmännern achtlos weggeworfener Zigarettenstummel kann zu falschen Schlussfolgerungen führen. Leider werden Spuren auch häufig aus Unkenntnis zerstört. Quintessenz des Seminars: Früher konnten sich Brandursachenermittler auf ihre jahrzehntelange Erfahrung verlassen, doch heute sind die Spuren nicht mehr so eindeutig und nur mit wissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen kann es zur richtigen Schlussfolgerung kommen. Wie auch bei anderen Kriminalfällen genügt heute ein Geständnis nicht mehr, sondern muss die Argumentation über die Wissenschaftlichkeit geführt werden. Vor allem auch deshalb, weil gelegte Brände häufig zur Vertuschung anderer Straftaten genützt werden. Für Brandursachenermittler genügt es deshalb nicht alles über Brände zu wissen, sie müssen auch umfassend über Brandschutz, Brandverhütung, Bauordnung, Nutzungsbewilligungen etc. Kenntnis haben. Das Vorhandensein moderner Geräte wie z.B. Gaschromatografen sind heute kein Luxus, sondern Notwendigkeit. R.B.
P.S.: Auf Grund der zahlreichen Meldungen und der nur begrenzt möglichen Teilnehmeranzahl mussten einige Interessenten vertröstet werden, sie werden bei dem nächsten Seminar am 7. Oktober 2010 bevorzugt. Diese Personengruppe wird noch schriftlich informiert werden. Weitere Interessenten können sich in unserem Sekretariat (sekretariat@kripo.at oder 050 133 133) melden.
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