Mit Facebook Täter jagen?

 

 Fachartikel: Tam Hanna

An sich war Joseph Luebkes Leben angenehm: Noch im Gefängnis fand der Chikagoer Räuber einen Job bei einer Online-Reisevermittlung. Er nutzte Facebook, um potenzielle Kunden anzusprechen. Als Joseph am 17. März 2010 aus dem Gefängnis ausbrach, aktualisierte er sein Profil binnen einer halben Stunde mit den Worten „on da run“, was so viel wie „auf der Flucht“ bedeutet. Wenige Stunden später war unser kommunikativer Freund wieder in Haft – die IP-Adresse seines Handys hatte ihn verraten.

 

Auch wenn man bei Facebook-Ermittlungen primär an Täter denkt, die sich aus Dummheit selbst verraten bzw. ebenfalls nicht gerade besonders intelligenten US-Studenten, die wegen ihrer der Facebook-Gemeinde stolz präsentierten fotografisch dokumentierten Alkoholexzesse von ihren Unis verwiesen wurden, wird das beliebte Portal immer mehr zum erfolgreichen kriminalistischen Instrument bei der Verfolgung von Straftätern..

 

Der Grund dafür liegt im „Lebensprinzip“ des Unternehmens. Der Portalbetreiber lebt nämlich davon, seinen Nutzern möglichst effektiv Werbung vor die Nase zu setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er so viel wie möglich über seine „Opfer“ wissen – also was sie gern tun, mit wem sie befreundet sind etc.

 

Googelt man eine Person, findet man in der Regel sofort ihr Facebook-Profil samt einer Auswahl von Freunden, Hobbys und Gruppenmitgliedschaften. Die daraus gewonnenen Informationen darf man in Deutschland bereits verwenden. In Österreich ist die Nutzung derartiger Infos noch nicht ausjudiziert.

 

Das Gesichtsbuch als Pranger 

 

Das Linus-Gesetz – benannt nach dem Systemtechniker Linus Thorwald - besagt, dass sich die Zeit, die man zur Auffindung eines Objekts benötigt, proportional zur Anzahl der Suchenden verkürzt. Interpol machte sich diese logische Regel mit dem Projekt Infrared zu Nutze. Dabei wurden die 500 Millionen Facebook-User aufgefordert, Informationen zu rund 500 gesuchten Kriminellen zu bringen.

 

Hinweise auf Infrared führten schließlich auch dazu, dass beispielsweise der kongolesische Geldwäscher Mouamba Munanga in Südafrika gefangen genommen werden konnte. Am Ende des Projekts wurden über 100 der Gesuchten gefasst – die Tätersuche mit Facebook war also ein voller Erfolg.

 

Kürzlich erlangte eine von ihrem Freund verlassene Frau traurige Berühmtheit. Sie hackte das Facebook-Profil ihres Linzer Ex und unterstellte ihm in vorgetäuschten eigenen Geständnissen sexuellen Missbrauch an seinen Kindern. Da Kinderschänder auch auf Facebook enorme Popularität genießen, kann man sich vorstellen, was geschah. Der Unschuldige verlor sogar seinen Arbeitsplatz. Die Täterin wurde ausgeforscht.

 

Die bewährte „Prangerfunktion“ von Facebook funktioniert natürlich auch umgekehrt. In Neu Delhi etwa sucht die Polizei mit Fotos auf Facebook nach Verkehrssündern.So werden Beamte für wichtigere Aufgaben frei, ohne dass der Staat auf Einnahmen verzichten muss - eine klassische Win-Win-Situation.

Der Nutzen des populären „Gesichtsbuchs“ für Kriminalisten ist zweifelsohne bewiesen. In Zeiten von Cybercrime und dem organisierten internationalen Verbrechen muss die Kriminalistik ihre Werkzeuge updaten – Facebook hat sich als Mittel zum Zweck bewährt.