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10 Fragen an CI Robert Sturm, Pressesprecher der Soko-Briefbombe |
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„Nicht alle polizeiliche Probleme lassen sich durch Sokos lösen“ Redaktion: Obwohl es natürlich auch vor den 90er Jahren in Österreich große Kriminalfälle gab, gründete man keine Sonderkommissionen. Können Sie unseren Lesern erklären warum es keine Sokos gab? Sturm: Der Name Sonderkommission wurde in Deutschland bei Ermittlung gegen die RAF verwendet. In Österreich war zwar der Begriff geläufig, aber irgendwie verpönt. Hier verwendete man lieber die Bezeichnung Arbeitskreis. Selbst beim OPEC-Überfall gab es keine Soko und auch keine beim Nittel-Mord oder dem Synagogenattentat. Zu dieser Zeit betrachtete man auch große Kriminalfälle ausschließlich aus polizeilicher Sicht. Der jeweilige Aktenführer wollte auch nicht, dass jemand anderer vollen Einblick in die Ermittlungen erlangt, vor allem kein Außenstehender. Diese Art der Aktenerledigung ohne Teambeurteilung ist natürlich sehr fehleranfällig. Redaktion: Arbeitskreis oder Soko, ist das nicht nur eine unterschiedliche Bezeichnung für die gleiche Vorgangsweise? Sturm: Nicht ganz. Bei unseren Arbeitskreisen blieb der Beamte in der Abteilung und musste auch seine übliche Arbeit weiter erledigen. Bei den Sokos wird er von seiner Arbeit entbunden und ist nicht mehr an seiner Dienststelle. Redaktion: Sie waren Pressesprecher der Soko-Briefbombe. Diese Soko gilt als die erste in Österreich. Wie kam es zur Gründung? Sturm: Die Soko-Briefbombe war zwar die erste echte Soko, aber es gab einen Vorläufer die Soko- Seerose, die dann in die Soko-Briefbombe aufging. Als 1993 die erste Anschlagserie mit Briefbomben begann, wurde vorerst auch keine Soko gegründet, sondern die steirische Sicherheitsdirektion übernahm die Ermittlungen und erhielt Unterstützung durch die EBT. Als dann im August 1994 die zweite Serie verübt wurde, genauer nach dem Anschlag in Klagenfurt bei dem Theo Kelz seine Hände verlor, gründete man in Klagenfurt die Soko-Seerose. Als man dann erkannte, dass Serie 1 und 2 zusammengehören, gründete man im Bereich des Innenministeriums die Soko Briefbombe. Erst jetzt konzentrierte man sich ausschließlich auf diesen Fall. Redaktion: Woher nahm man eigentlich die Beamten der Soko-Briefbombe? Sturm: Die Anzahl der Beamten in der Soko schwankte im Laufe der Zeit zwischen 50 und 100. Der Stamm kam vor allem von der EBT und wurde aus Beamten rekrutiert, die kurzfristig bei der EBT dienstzugteilt waren und die man für geeignet hielt. Es gab auch Spezialisten aus anderen Abteilungen. Redaktion: Ja, aber man weiß doch, dass auch Personen die nicht der Polizei angehörten bei der Soko waren. Sturm: Es gab noch eine interministerielle Kommission die beratend zur Seite stand. In dieser Kommission waren dann Beamte aus verschiedenen Ministerien wie z.B. Verteidigung und Wissenschaft. Es waren der bekannte Psychologe Dr. Müller, ORF-Bedienstete, Graphologen und andere Personen in der Kommission. Wir, d.h. die Soko, forderten Expertisen an und von dieser Gruppe wurden diese dann geliefert. Redaktion: Wie war eigentlich die innere Struktur der Soko-Briefbombe? Sturm: Als erster Leiter der Soko wurde Oswald Kessler eingesetzt. Er wurde von Josef Dick, dieser wieder von Erich Zwettler abgelöst. Es wurde ein Organogramm mit fixer Aufgabenstellung aufgestellt, der Ablauf festgelegt und ein Pressesprecher ernannt. Es wurde internationale Zusammenarbeit eingeleitet und auch der Kontakt zu anderen polizeilichen Einheiten, z.B. WEGA, in Form von Konferenzen intensiviert. Redaktion: Bei den Anschlagsserien glaubte man ja lange an eine politische Dimension. Wurde eigentlich politisch interveniert um die Ermittlungen in eine Richtung zu lenken? Sturm: Nein, es gab gegenüber der Soko-Briefbombe keine politische Einflussnahme. Redaktion: Wie sehen Sie grundsätzlich den Einsatz einer Soko? Sturm: Durch eine Soko wird ein Optimum an Wissen vereinigt. Schon bei der Causa Briefbombe wollte man „die besten Köpfe Österreichs“ einbeziehen. Bisher hat sich die Gründung einer Soko absolut bewährt. Redaktion: Zurzeit scheint es, als ob die Gründung einer Soko das einzige Mittel ist um die Kriminalität in den Griff zu bekommen. Was sagen Sie dazu? Sturm: Durch die Inflation von Sokos geht die Wirkung verloren. In der Öffentlichkeit entsteht das Bild als ob nur mehr Sokos zielführend wären. Redaktion: Wie sehen Sie die momentane Situation der Kripo? Sturm: Es fehlt der Generalist. Der Kriminalpolizist als Einzelperson muss weiterhin handlungsfähig bleiben. Nicht alle polizeiliche Probleme lassen sich durch Sokos lösen.
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