Die SOKO – ein scharfes Eisen

 

Fachartikel VKÖ

 

Seit wann gibt es die Sonderkommission, kurz SOKO, in Österreich und was ist darunter zu verstehen?  Einerseits gibt es mehrere Kriminalfilmserien, die sich „SOKO...“ nennen und andererseits zahlreiche SOKO`s, die seitens des Innenministeriums eingerichtet werden, um schwierige Kriminalfälle zu lösen.

 

Spektakuläre Kriminalfälle erfordern außerordentliche Anstrengungen. Erinnern wir uns an die Kriminalfälle „Mord an Ilona Faber“, „Opernmord“ oder „Kindermorde in Favoriten“. Sie versetzten Wien in der Vergangenheit immer wieder in Angst und Schrecken.

Die erste SOKO zur Aufklärung eines Kriminalfalles wurde in der Causa Jack Unterweger, also 1991, vom damaligen  Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Michael Sika, eingerichtet. Ministerialrat Herbert Beuchert wurde im Innenministerium, Kriminalpolizeiliche Abteilung, als formeller Leiter eingesetzt. Operativ führte Oberrat Ernst Geiger, Vorstandstellvertreter im Sicherheitsbüro und Leiter der Mordkommission diese SOKO.

 

Die Definition für Kommission leitet sich vom Lateinischen „Committere“ ab, was soviel wie „Übergeben, Anvertrauen“ bedeutet. Die Bildung einer solchen Organisationseinheit wäre demzufolge eine besondere Form der Delegation. Deren Ziel ist es,  in einem bestimmten Fall, der die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen für die Innere Sicherheit herausfordert tätig zu werden. Sie ist als als Führungs- und Funktionseinheit für die schwerpunktmäßigen Ermittlungen zuständig, bisher waren das Mord-, Brand-; Wirtschafts-, oder Katastrophenfälle. Sie alle stellen besondere Anforderungen an die dort tätigen Kriminalisten, weil es dabei um komplexe, spektakuläre und ermittlungsintensive Arbeit geht. Die Öffentlichkeit erwartet sich eine rasche Klärung. Da die bestehenden polizeilichen Strukturen meist nicht ausreichen, zieht man zu der besonderen Arbeitsleistung eine SOKO zusammen. Ihr gehören Spezialisten des jeweiligen Fachgebietes an. Leiter sind qualifizierte Führungspersönlichkeiten.

 

Der Kommissionsleitung steht ein Stab zur Seite. Dieser besteht aus Fachgruppen die zugeteilt sind. Sie beschäftigen sich mit der Hinweisaufnahme und deren Auswertung, Fahndung, Ermittlung und  kriminaltechnischen Aufgaben. Dazu kommen spezielle Tätigkeiten, wie etwa Bilanzprüfung, Täterprofilerstellung, strategische- und operative Analyse.

Der SOKO- Leiter ist Chef der fallbezogenen Organisation und entscheidet die Prioritätenliste. Er bestimmt Strategie und Taktik, leitet die Teambesprechungen und berichtet dem Bundesminister und Polizeipräsidenten. Gleichzeitig ist er für Information und Kommunikation verantwortlich.

Eine SOKO benötigt eine eigene Infrastruktur wie, Leitung, Stellvertretung und eigenes Personal, dazu gehören Räume, Fahrzeuge, Sachmittel, Administration, Dokumentation, Versorgung, Technik (EDV), Informationsdienst und eventuell auch Schulung. Vorteil einer SOKO ist, dass sie zur Erreichung eines bestimmten Zieles eingerichtet wird, die dort tätigen Sachbearbeiter sich voll und ganz dem Fall widmen können, und daher ein konzentriertes, professionelles Team solange tätig sein kann, bis dieses Ziel erreicht wird. Insofern ist eine SOKO das „scharfe Eisen“, die „Sperspitze“ polizeilicher Ermittlungen.

 

Durch die zahlreichen Kriminalfilme entsteht ein total falscher Eindruck. Die Arbeiten, die von einer SOKO - Kitzbühl oder SOKO - Donau durchgeführt werden, sind normalerweise  Tätigkeiten einer Kriminalpolizei. Manche dieser Serien dürften auf polizeiliche Beratung aufgebaut sein, was man dann schon merkt. Dadurch, dass in der Regel nur das Spektakuläre ausgesucht wird, entfernen sich die Schilderungen von Kriminalfällen und deren Aufarbeitung weit von der Wirklichkeit. So sind die meisten Filme aus der Sicht eines praktisch tätigen Polizisten, schlecht und oft mit Fehlern gespickt.

In solchen Serien wird zum Beispiel nie ein Akt angelegt, geschrieben, das ist für einen „Fernseh- Kieberer“ fremd.

 

 

Mag. Maximilian Edelbacher

 

SONDERKOMMISSION (lt. Wikipedia)

Gruppe zur Bewältigung einer bestimmten Aufgabe die mit herkömmlichem Personal bzw. mit der bisherigen Organisationsstruktur nicht bewältigt werden kann.

Bei der Polizei werden Sonderkommissionen ad hoc (= für den Augenblick gemacht) bei bedeutenden Kriminalfällen, z.B. bei vermissten Kindern, aufgestellt.