Brand aus |
|
|
Helmut Kaiser
So lautete eine Meldung der Feuerwehr am Nachmittag am 09. Jänner 2010 in Linz. Eine Hundertschaft von Feuerwehrmännern der Berufsfeuerwehr und weitere freiwillige Feuerwehren aus der Umgebung, verbrachten die Stunden vorher mit der Bekämpfung eines Großfeuers bei der Textilfabrik „Textil AG Linz“. Bei dem im Stadtteil Kleinmünchen gelegenen Betrieb brannte eine Lagerhalle ab. Der Schaden wurde auf etwa 9 Millionen Euro geschätzt.
Der 25-jährige ehemalige Mitarbeiter Christian Sch. wurde von BezInsp Christian Kohlbacher und BezInsp Helmut Kaiser vom Stadtpolizeikommando Linz, in den Morgenstunden als Tatverdächtiger festgenommen. War damit die unheimliche Brandserie, welche die Linzer Textilfabrik bereits mehrfach heimsuchte zu Ende, oder wurde ein Falscher verdächtigt ? Defekt oder Brandstiftung Am 20.10.2009 brannte eine nicht benützte Lagerhalle der Textil AG Linz ab. Der Schaden betrug ca. € 300.000.- und es gab keinen Verdächtigen. War es nur ein technischer Defekt oder doch Brandstiftung? Wie so oft bei Bränden war die Spurenlage nicht einfach. Also wurde der Akt nach unzähligen Einvernahmen und Erhebungen vorerst ohne Hinweis auf Fremdverschulden abgeschlossen. Die Fahnder waren aber mittlerweile auf der richtigen Spur. Der damals noch in der Firma beschäftigte Christian Sch. geriet schon bald auf die Liste der Verdächtigen. Er hatte jedoch ein entsprechendes Alibi, gedeckt durch Lebensgefährtin und Schwester. Der nächste Brand Bereits am 13.12.2009 brach das nächste Feuer in der Fabrik aus. Wieder brannte eine Lagerhalle komplett ab. Der Schaden betrug diesmal ca. 10 Millionen Euro. Die Brandbekämpfung durch die verschiedenen Feuerwehren dauerte wieder viele Stunden. OberInsp Karl Ebenhofer, einer der erfahrensten „Brandkiberer“ ermittelte. Obwohl Brandstiftung in der Luft lag fehlte es an Hinweisen oder Beweisen. Aber von wem ging diese Brandstiftung wirklich aus? Gerüchte, dass es der Firma nicht gut gehen würde und sie sich eventuell „gesund brennen“ wolle machten die Runde. Oder gab es gar einen Einzeltäter, einen Verrückten, dem es Spaß macht Feuer zu legen? Auch hier gelang es vorerst einfach nicht, auf die richtige Spur zu kommen. Festnahme Christan Sch. wurde als Verdächtiger festgenommen. Die Verhöre blieben zuerst fruchtlos. Der Beschuldigte bestritt alles und vor allem den Umstand, in der Tatzeit auf dem Firmenareal gewesen zu sein. Aber jede Glücksträhne geht mal zu Ende., Eine Firmenkamera zeigte eine Person, die zur Tatzeit über einen Zaun auf das Areal kletterte. Die Aufnahmen waren zwar schlecht, aber ein Täter war zu erkennen. Erhebungsteam Jetzt geschah etwas, was man sich wohl bei der Polizeizusammenlegung schon immer wünschte: Das LKA-OOE mit ChefInsp Franz Presl und BezInsp Josef Hofer und das SPK-Linz mit OberInsp Karl Ebenhofer und BezInsp Helmut Kaiser sowie der PI Kommandant Stv. Norbert Habermann gründeten ein Erhebungsteam. Dieses Team arbeitete bis zur Verhandlung, auch gegen den Widerstand des einen oder anderen Vorgesetzten, auf Hochbetrieb. Alle wollten den richtigen Brandstifter ausforschen und die Beendigung der Brandserie herbeiführen.
Plötzlich gelang das, was vorher im Sande zu verlaufen schien. Eine Zutrittscodekarte des Beschuldigten bezeugte, dass er zur fraglichen Tatzeit des zweiten Brandes in der Nacht am Firmengelände gewesen war. Eine DNA Spur am Zaun konnte Christian Sch. Ebenfalls zugeordnet werden. Genau an jener Stelle, an der die Videoaufzeichnung eine Person beim Überklettern zeigte. Christian Sch. hatte Verletzungen am Bein, welche vom Überklettern des Zaunes stammten und mit dem Abstand der Zacken am Zaun übereinstimmten.
Alle Beteiligten konnten daher aufatmen und davon ausgehen, den richtigen Täter festgenommen zu haben. Ein HB wurde vom LG Linz erteilt und die Beamten hofften auf ruhige Nacherhebungen. Leider hatten sie nicht mit der bereits länger zurückliegenden kriminellen Energie des Beschuldigten gerechnet. Neue Arbeit Die Telefone standen nicht mehr still und neue Arbeit flatterte ins Büro. So konnte festgestellt werden, dass die Wohnung der ehemaligen Freundin des Beschuldigten vor einigen Monaten ebenfalls ausbrannte. Dies nachdem die Beziehung zwischen ihr und Christian Sch. beendet war.
Der Pkw des neuen Freundes der ehemaligen Lebensgefährtin des Christian Sch. brannte ebenfalls durch Brandstiftung ab. Auch hier wurden plötzlich alle Zeugen aktiv und nannten den Beschuldigten als möglichen Täter. Weitere Brandstiftungen Den Höhepunkt lieferte jedoch ein großes Stahlwerk in Linz, in dem der Täter vor der Textil Linz AG beschäftigt war. Der Verdacht auf 3 weitere Brandstiftungen und 6 schwere Sachbeschädigungen im Betrieb mit einem Schaden von über € 105.000.- kam noch hinzu. Hier hatte der Betriebswerkschutz ermittelt und war zu keinem Ergebnis gekommen, deshalb wurde keine Anzeige erstattet.
Nachdem die entsprechenden Erhebungen und Befragungen durchgeführt wurden, stand fest: Dort, wo der Beschuldigte auftauchte, brannte es oder die Maschinen wiesen unerklärliche Defekte auf.
Den Pkw eines Wohnungsnachbarn des Verdächtigten, welcher zerkratzt und mit eingeschlagenen Scheiben vor dem Wohnhaus vorgefunden werden konnte, ist nur eine Abrundung der Geschehnisse. All jene Fakten, konnten der StA Linz nachgereicht werden. Christian Sch. bestritt alles und wollte weiterhin die Rolle des armen und unschuldig Festgenommen spielen. Urteil 5 Jahre unbedingt An insgesamt 4 Verhandlungstagen wurden, Zeugen, Sachverständige, Polizisten, Verwandte, Opfer, Mitarbeiter und Psychiater befragt und einvernommen. Der Angeklagte, welcher sich einen der renommiertesten Rechtsanwälte von Linz leistete, bestritt alle Taten und sprach vom großen Unbekannten. Nur dieser wäre für die Brandstiftungen verantwortlich.
Aber ein routinierter Richter, ein brillanter Staatsanwalt, und eine hervorragende Psychiaterin, die in ihrem Gutachten den Geisteszustand des Angeklagten richtig einschätzte, sorgten für Gerechtigkeit. Christian Sch. wurde am 18. November 2010 vom LG Linz schuldig gesprochen und erhielt für sein Handeln eine unbedingte Freiheitsstrafe von 5 Jahren. Gleichzeitig erfolgte die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsverbrecher. Dies ist auch der Verdienst jener fünf „Kiberer“ die trotz aller Widerstände und Anfeindungen ihre Arbeit lieben und wissen gegen wen und wofür sie arbeiten.
Gerade dieser Vorgang macht deutlich dass nach der Reform alle zur wichtigsten Motivation eines guten Kriminalbeamten zurückgefunden haben, der Leidenschaft, Straftaten rasch und umfassend aufzuklären.
BezInsp Helmut Kaiser SPK-Linz/ FB 2
|