Vorsicht Brandstifter

 

 

Jährlich werden in Österreich lt. Kriminalstatistik rund 700 Fälle von Brandstiftung angezeigt. Nur jede vierte Brandstiftung kann aufgeklärt werden. Die meisten Brände werden von Serienbrandstiftern gelegt.

Irgendwie wird die Brandermittlung, nicht nur in Österreich, stiefmütterlich behandelt und das obwohl der durch Brandstiftung entstandene Schaden in die Millionen Euro geht. Innerhalb der Kripo, so scheint es, wird dagegen die Brandursachenermittlung als interessante kriminalistische Aufgabe angesehen. Für die Vereinigung Kriminaldienst Österreich“ ein Grund interessierten Beamten entsprechendes Wissen zu vermitteln. Seit 2009 bietet die VKÖ Schulungen über das Thema an, weit mehr als 100 Beamte haben zwischenzeitlich ihr Fachwissen aufgepeppt und wie die Vormerkungen der Anmeldungen zeigen, ist der Plafond an Interessenten noch nicht erreicht.

Großes Interesse

Das große Interesse der Wissensdurstigen liegt vor allem am Vortragenden. Die VKÖ hatte hier Glück, denn unser Mitglied Frank D. Stolt, seines Zeichens Sicherheitsfachwirt und Brandsachverständiger mit internationaler Erfahrung, war bereit sein Wissen weiterzugeben. Sein Fachwissen hat sich Stolt unter anderem im EKF (Büro für Erkennungsdienst, Kriminaltechnik und Fahndung)  und in mehreren Hochschulstudien angeeignet, seine praktische Erfahrung als Sachverständiger zwischen Klagenfurt und Hongkong.  In Österreich wurde er schon bei mehreren spektakulären Fällen von Gerichten als Sachverständiger herangezogen.

Nach mehreren Grundkursen in  Wien, wurde am 1. März d. J. erstmalig ein Kurs in Klagenfurt angeboten. In den Räumlichkeiten des SPK Floridsdorf folgte am 2. und 3. März Spezialwissen für Brandermittler aus Wien, Kärnten, Steiermark und dem Burgenland. Am Programm standen die Themen Serienbrandstifter und Brandermittlung an Verkehrsmitteln. Die Motive von Serienbrandstiftern, im Volksmund gerne als „Feuerteufel“ bezeichnet (Vandalismus, politische oder religiöse Motive, Persönlichkeitsstörungen etc.) sind ebenso ein wesentlicher Faktor zur Täterermittlung wie die Tatbegehungsweisen. „Probierfeuer“ mit geringem Schaden dürfen nicht bagatellisiert werden, denn auch bei Brandstiftungen beginnen die Täter klein. Neben fachlich-theoretischem Topwissen wurden den Teilnehmern viele praktische Tipps gegeben, wie und wo Ermittlungen ansetzen können.

Alle acht Minuten...

Alle acht Minuten brennt in Deutschland ein Auto, das sind rund 40.000 Kfz-Brände im Jahr. Fast 500 dieser Autos werden durch Brandstifter abgefackelt. Vieles bleibt dabei im Dunkeln, denn die Brandberichte sind oft voller fragwürdiger Erklärungsversuche. Die von Stolt teilweise durch Bildmaterial belegten, oft haarsträubenden Ermittlungsfehler ließen die Zuhörer aufhorchen. Fast immer ist es nicht Leichtsinn oder Faulheit, sondern einfaches Unwissen der amtshandelnden Beamten, die zu solchen Fehlern führt. Auch der Einsatz von Brandspürhunden bei Kfz-Bränden wurde relationiert, sie sind hier überfordert.

Fortbildung als  Schlüssel

Stolt räumte auch mit der Mär von Waldbränden auf, die sich durch Glassplitter selbst auslösen. Das Wissen über Physik und Chemie sind für einen Brandermittler unbedingte Voraussetzung. Ständige Fortbildung sieht Stolt als den Schlüssel zur Brandursachenermittlung an. Neue Werkstoffe, ja selbst Bio-Treibstoffe, verändern Brandentstehung- und Ablauf. Wie gefährlich Unwissen bei der Brandursachenermittlung ist, wurde an Hand eines Falles aus Deutschland aufgezeigt. Eine bereits in 1. Instanz wegen Mordes verurteilte angebliche Brandstifterin, wurde durch Sachverständigengutachten entlastet und in 2. Instanz freigesprochen. Die Berliner Brandermittler hatten verbrannten Kunststoff mit Brandbeschleuniger verwechselt.