|
Ungebildet und kriminell |
|
|
Ein Thema, welches sich wie ein roter Faden durch die menschliche Entwicklung zieht, ist die Frage ob Bildungsmangel zwangsläufig in die Kriminalität führt. Während Lehrer und pädagogische Mitarbeiter der Hochschulen dies im allgemeinen bejahen, sind Sozialwissenschaftler und Kriminologen durchaus unterschiedlicher Meinung. - Oberst Wilibald Plenk, redaktioneller Mitarbeiter unseres Magazins, ist dieser Thematik auf den Grund gegangen. Tausende junge Menschen verlassen jährlich die Schule ohne Abschluss. Hätte auch nur die Hälfte die Schule beendet, wären viele Verbrechen nicht geschehen. Aus einer Studie der deutschen Bertelsmann Stiftung weiß man, dass von 58.000 Jugendlichen ohne Schulabschluss 416 Fälle von Mord und Totschlag sowie 13.500 Raubüberfälle und 320.000 Diebstähle begangen worden sind. Für die Forscher der Universität Frankfurt, steht der Zusammenhang zwischen Bildung Kriminalität außer Frage. Eine Überprüfung in deutschen Gefängnissen ergab: 15 Prozent hatten nicht einmal einen Hauptschulabschluss, bei den Dieben und Gewaltverbrechern sind es schon ca. 25 % ! Schule oder Verbrechen Die wohl wichtigste Frage lautet daher: Ist die ungenügende Ausbildung die Ursache für den Weg in das Verbrechen ? Oder, kann man mit Hilfe von Bildung Verbrechen verhindern ? Zweifelsfrei lässt sich mit genauen statistischen Messdaten feststellen, dass verschiedene Einflüsse den kriminellen Weg wesentlich beeinflussen können. Hier nur einige wenige Faktoren: Wesentlich ist die Situation im Elternhaus. Sind hier schon entsprechende Taten bzw. Vorstrafen vorhanden, werden auch die Kinder oft kriminell. Auch Scheidungen können unter bestimmten Voraussetzungen den weiteren Lebensweg der Kinder nachhaltig negativ beeinflussen. Auch Konfessionslosigkeit, hat offenbar aus Mangel gängiger Werthaltungen, mögliche kriminelle Auswirkungen. Verhältnisse in Österreich Abgesehen von den Einkommensverhältnissen und der Wohnsituation österreichischer Verurteilter, ist die „Bildung“ dieser, wie folgt erhoben worden ( Stichtag 1.9.2008). 2 % besitzen keinen Schulabschluss, 4 % haben nur die Volksschule, 6 % gingen in eine allgemeine Sonderschule und 38 % besuchten eine Hauptschule. Die Hälfte der Verurteilten besuchte nicht einmal das „Polytechnikum“, dieses haben nur 19 % besucht. Damit wird deutlich, mehr als zwei Drittel der Verurteilten haben nur eine Bildung die nicht über den Pflichtschulabschluss hinausgeht ! Etwa 20% haben eine Berufsschule besucht und nur 8 % haben Matura oder einen höheren Bildungsgang. Beeindruckend Die Daten von Statistik Austria, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, liegen für die Matura oder höhere Ausbildung bei 24 %, einen Pflichtschulabschluss haben immerhin 27 %. Die Gegenüberstellung dieser Zahlen, lässt den Schluss zu, dass der Bildungsgrad der Verurteilten sehr weit unter dem, der Gesamtbevölkerung liegt. In engem Zusammenhang mit der Bildung, steht natürlich auch die Wohn- und Einkommenssituation. Auf Grund des meist niederen Verdienstes bei geringerem Bildungsgrad können oftmals nur bestimmte Wohnqualitäten bezahlt werden. So sind 43 % Unter- oder Hauptmieter, aber 31 % sind nur Mitbewohner. 6 % wohnen in einer öffentlichen Einrichtung, 2 % sind in Bundesbetreuung und 12 % sind ohne festen Wohnsitz. Noch deutlicher wird die Situation bei den Einkommensverhältnissen: 20 % beziehen Notstands- oder Sozialhilfe, 22 % erhalten Arbeitslosengeld, 12 % sind ohne festes Einkommen und 9 % sind Hilfsarbeiter. Bei diesen tristen Ausgangslagen ist es durchaus verständlich, dass man sich in der Öffentlichkeit die Frage stellt, ob es nicht sinnvoller ist die Ursachen der Kriminalität zu bekämpfen wie deren Folgen. Durch rechtspolitische, wirtschaftliche, aber auch durch soziale Maßnahmen, sind der Staat, politische Parteien, Kammern, Gewerkschaften, Kirchen und kulturelle Einrichtungen aufgerufen, hier positiv mitzuwirken. Zwar ist es nicht möglich ausschließlich durch Vorbeugung die Kriminalität zu verhindern - diese aber durch gezielte Maßnahmen deutlich zu senken. Die Folge aus den beschriebenen Erkenntnissen müsste daher lauten nicht mehr Lehrer oder Polizisten, sondern mehr Lehrer und Polizisten.
|