Videoüberwachung im öffentlichen Raum

 

 

VKÖ Sponsoring

 

Der Einfluss der Videoüberwachung auf die Sicherheit am Beispiel der Hauptbahnhöfe Linz und Salzburg wählte sich Thomas Trawniczek als Thema für seine Master-Thesis, der Abschlussarbeit des Studiums zum „Master of Science in Security and Safety Management.  Trawniczek, Angehöriger des BVT, ist der erste Polizist der für seine Arbeit von unserer Vereinigung ein Sponsoring erhält.

Der Einsatz von Videoüberwachungsanlagen im öffentlichen Raum ist sehr umstritten, selbst unter Fachleuten. Unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Studien machen die Sache nicht leichter. Befürworter sehen in der Videoüberwachung einen Faktor der Kriminalprävention, Gegner stellen dagegen generell die Wirksamkeit in Frage.

Diese widersprüchliche Ausgangslage veranlasste Thomas Trawniczek seine Master-Thesis zur Erlangung des Titels „Master of Science in Security and Safety Management“ dem Thema zu widmen. Er untersuchte empirisch den Einfluss der Videoüberwachung auf die Sicherheit am Beispiel der Hauptbahnhöfe Linz und Salzburg.  Der Bahnhofsbereich wurde einerseits wegen eines mehrjährigen Probebetriebes und der dadurch vorhanden Vergleichsdaten ausgewählt, andererseits ist der Bahnhofsbereich im Vergleich zu anderen öffentlichen Orten kompakter und leichter einzugrenzen.

Rückgang der Kriminalität

Die Eckdaten der über 80 Seiten starken Master-Thesis ergaben jedenfalls den Nachweis eines Plus an Sicherheit auf Grund der Videoüberwachung. Selbst die Überprüfung der Datenschutzkommission ergab, dass seit der Einführung der Videoüberwachung auf ÖBB-Bahnhöfen eine Minderung der Schadensfälle festzustellen war. Die Schadenssumme reduzierte sich um 50% - 80%. Ein Rückgang an Kriminalität durch Videoüberwachung wird auch durch eine englische Studie bestätigt. Dort sieht man eine durchschnittliche Minderung der Kriminalität um 21%, in Parkhäusern sogar um 44%. Während die Videoüberwachung bei Eigentumsdelikten als sehr wirksam eingestuft wurde, ist sie jedoch bei Gewaltdelikten eher gering. In Wien ging nach der Installierung von 250 Videokameras in Gemeindebauten die Zahl der Vandalismusakte um 52% zurück, die Schadenskosten um 68%. Die Argumentation auf  der Gegenseite: Vor allem bei der Aufklärung von Verbrechen sind Kameras nur bedingt geeignet. Laut einem internen Bericht von Scotland Yard kommt auf 1000 Kameras nur ein gelöstes Verbrechen.

Psychologische Komponente

Neben den positiven, belegbaren Zahlen, darf die psychologische Komponente einer Videoüberwachung nicht vergessen werden, vor allem bei Frauen und älteren Menschen wird das subjektive Sicherheitsempfinden gesteigert. 81% der Befragten glaubt, dass die Sicherheit durch Videoüberwachung gehoben wird.

Bei einer Publikumsbefragung für die Thesis, stellte Trawnicek fest, dass die Akzeptanz der Videoüberwachung sehr hoch ist. Es hatten aber nur etwas mehr als die Hälfte der Reisenden eine Videoüberwachung überhaupt bemerkt. Nur 1/3 der Befragten sieht einen Eingriff in die Privatsphäre. Die Österreichischen Bundesbahnen wird es freuen, dass das Sicherheitsempfinden auf Bahnhöfen allgemein hoch empfunden wird, wie weit es durch Videoüberwachung noch weiter gesteigert wurde, ließ sich jedoch nicht feststellen. Festgestellt wurde jedenfalls, dass bei gleich hoher Kameraanzahl in den Bahnhöfen (je 40) das Sicherheitsgefühl in Linz höher war als in Salzburg. Tatsächlich ist die Kriminalität am Salzburger Bahnhof größer als in Linz. Belegbar ist auch ein Rückgang bei den Straftaten am Bahnhof Linz. Dort wurden 2008 noch 1.212 Delikte angezeigt, 2009 waren es nur 1.025, also ein Rückgang um 15,4%. Im Gegensatz dazu Salzburg wo die Zahlen fast gleichbleibend waren (Verminderung nur um 0,7% oder 12 Delikte, von 1633 auf 1.621).

Nicht überraschend ist die Schlussfolgerung, dass Videoüberwachung nur ein Teil des Sicherheitssystems sein kann.

 

Videoüberwachung ein geschichtlicher Rückblick

Ende der 50er Jahre begann die britische Polizei Verkehrsflächen zu überwachen.  1958 wurde in München die erste Verkehrsleitzentrale mit Videoüberwachungstechnik eingerichtet. Die erste Kamera in Österreich wurde 1962 im Zuge der Inbetriebnahme der Verkehrsleitzentrale Wien installiert. In den 60er Jahren erkannte man, dass die neue Technik nicht alleine zur Verkehrslenkung verwendet werden kann, sondern auch überwachende und sanktionierende Funktionen haben kann. Vorerst wurde die Technik nur anlassbezogen, d.h. bei Demonstrationen und Großveranstaltungen zur Koordinierung des Polizeieinsatzes verwendet. Der nächste Schritt war der Einsatz zum Objektschutz. Es war die London Metropolitan Police, die im Jahr 1968 auf Grund der Anti-Vietnam-Demonstrationen das Zentrum der britischen Hauptstadt in Whitehall und Westminster überwachen ließ. Heute wird London praktisch flächendeckend von mehr als einer Million Kameras überwacht.

In Österreich wurde die erste polizeiliche Videoüberwachung im öffentlichen Raum zur Kriminalitätsbekämpfung im März 2005 am Gelände der Shopping City Süd errichtet, kurz darauf die zweite in Wien im Bereich Schwedenplatz. Die erste Videoüberwachung im Bereich der ÖBB wurde am 31.8.2006 in Stationen der Vorortelinie in Betrieb genommen. Bis zum Jahr 2013 sollen alle Bahnhöfe der ÖBB mit einer Frequenz über 4.000 Fahrgästen videoüberwacht werden.