Bürger · Banker · Banditen · Bonzen -  Kommerz und Korruption

 

Bericht von Max Edelbacher

Die Sigmund Freud Privat Universität, Institut für Sicherheitsforschung, hat in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Kriminaldienst Österreich am 14. Jänner 2011 einen Vortrag von Dr. Wolfgang Hetzer, Leiter der Abteilung Strategie im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung zum Thema: „Finanzkrise und ihre Hintergründe“ unter dem Titel: „Bürger – Banker – Banditen – Bonzen, Kommerz und Korruption“ veranstaltet. Knapp siebzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben den Vortrag angehört und haben sich daran eine lebhafte Diskussion angeschlossen.

Die Vereinigung Kriminaldienst Österreich nützte diese Gelegenheit dazu den Vortrag unter dem gleichen Titel als erstes Dokument einer geplanten Serie DOKUMENTE aufzulegen. Alle achtzig aufgelegten Exemplare waren sofort vergriffen.

Wolfgang Hetzer leitete seinen Vortrag mit der Feststellung ein, dass er die jungen Leute vermisse, die zukünftig die wirtschaftlichen Belastungen ertragen müssen, die seitens der heutigen Finanzwirtschaft in Folge der Finanzkrise verursacht wurden. Tatsächlich haben leider keine Studentinnen und Studenten teilgenommen, obwohl der Vortrag ja auf universitärem Boden stattfand. Die Finanzkrise begann mit dem Zusammenbruch der Lehman Bank im Jahr 2008. in der Folge kristallisierte sich eine „unheilige“ Allianz von Inkompetenz, Versagen, Arroganz und Geldgier im Finanzbereich heraus. Auffällig wurde der krasse Unterschied von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft. Geld entsprach zunehmend nicht mehr der Repräsentanz der realen Werte, sondern Geld wurde nur noch zur Beschaffung von einem „Mehr“ an Geld eingesetzt. Das Finanzgeschäft teilte sich, wie in den dreißiger Jahren vor dem großen Börsenkrach, in die Bereiche Kommerzbanken und Investmentbanken. Die Investmentbanken verschrieben sich praktisch dem „Glückspiel“ mit immer „rasanteren“ Spekulationen mit Derivaten, Aktien, Wertpapieren. Es wurde auf „Teufel komm raus gezockt“. Dazu bildete sich auf Grund der Gier eine Solidarität der Lämmer mit ihren Metzgern, beide dachten sie könnten rasch enorme Gewinne machen.

Die Finanzkrise zeigte, dass man an den Grenzen des Strafrechtes anlangte. Heute wissen alle, was man dagegen tun hätte können. Vor der Finanzkrise haben aber weder die Profis, noch die Laien ihre Entstehung erkannt. Eine Summe von Maßnahmen, wie solche ordnungspolitischer Natur, einer besseren Resilienz der Zivilgesellschaft, ethische Standards, Rückkehr zu einem traditionellen Finanzgeschäft, besserer Bildung und Erziehung wird notwendig sein, um eine neue Finanzkrise verhindern zu können.

 

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