"Cyber Security - Cyber Crime"

 

 

Im Internet setzt das Hirn aus

Einem Thema, dass vor einem Jahrzehnt noch keines war, widmet sich der erste vom Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) veranstaltete Sicherheitskongress – der Cyberkriminalität.

 "Je sicherer man sich fühlt, desto mehr sinkt die eigene Wachsamkeit. Genau deshalb kommt es in Österreich, einem der sichersten Länder der Welt, auf eine Stärkung der Präventionsarbeit an. Die Sicherheit darf nicht nur reagieren, wenn etwas vorgefallen ist, sondern muss aktiv präventiv agieren." Mit diesen eindringlichen Worten eröffnete Mag. Erwin Hameseder, Präsident des Kuratorium Sicheres Österreich, den gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres organisierten Sicherheitskongress 2011 unter dem Thema "Cyber Crime & Cyber Security" im Wiener Messezentrum. 

Für diese Sicherheit, und vor allem hinsichtlich der aktuellen Bedrohungslage durch Internet-Kriminalität, seien Investitionen genauso notwendig wie eine Einbindung der Wirtschaft und eine permanente Aus- und Weiterbildung der Sicherheitskräfte. Doch auch das alleine reiche nicht aus. "Cyber Crime kennt keine Landesgrenzen", so Hameseder. Daher sei auch eine verstärkte Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden notwendig.

Bundesinnenministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner zeigte in ihrem ersten offiziellen Auftritt als neue Innenministerin die Aktualität des Themas IT-Kriminalität auf. "Vor wenigen Jahren wurde das Internet nur von einer Handvoll Personen genutzt. Im Jahr 2011 sind aber über 70 Prozent der Österreicher online. Das ist eine Entwicklung, die sich niemand vorstellen konnte", so Mikl-Leitner. Das Internet bestimme unseren Alltag, und in diesen würden sich demnach auch die Schattenseiten des Netzes einschleichen.  Ebenso wie die Zahl der Nutzer seien auch die Fälle von Internet-Kriminalität enorm gestiegen. Zudem halte dieser Anstieg stetig an. "Wir sprechen hier nicht von Steigerungen um 10 oder 20 Prozent pro Jahr. Wir sprechen hier von Steigerungen um bis zu 400 Prozent pro Jahr. Um diese Entwicklung zu bekämpfen sind neue Instrumentarien notwendig. Wir müssen die technischen Voraussetzungen schaffen, notwendige Vernetzungen schaffen und gemeinsame Strategien entwickeln", so die Bundesinnenministerin weiter. Die Ministerin bezog sich dabei auf offizielle Zahlen der Kriminalstatistik. Während z. B. 2001 685 Anzeigen wegen Betrugs via Internet registriert wurden, waren es 2010 bereits 4.450. Damit betonte sie gleichzeitig die Notwendigkeit der bereits gestarteten Cyber-Sicherheitsstrategie des Innenministeriums. Bestandteil dieser ist die Einrichtung eines Cyber-Crime-Competence Centers (C4), das unter der Federführung des Bundeskriminalamtes und in direkter Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung und dem Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung national und international tätig ist.

"Mit dem C4 haben wir eine Plattform geschaffen, die es uns noch besser ermöglicht, schnell und abgestimmt zu agieren und zu analysieren. Dieses Know-how wird dann an die regionalen Ermittler weitergegeben", betonte Mikl-Leitner.

 

Es folgten im Plenum, dem ca. 400 Personen beiwohnten, Vorträge von Mag. Christian Jechoutek (Assistant Director Europol) und Univ. Prof. DDr. Christian Stadler die die Situation von der internationalen polizeilichen bzw. von der psychologischen Seite beleuchteten. Drei Panels befassten sich mit sozialen Netzwerken, Cyber Crime und mobile Endgeräte als Sicherheitsfalle. Für Polizeibeamte war vor allem Panel 2 über Cyber Crime von Interesse.

Das Internet gehört zu unserem Alltag wie der morgendliche Kaffee. Naja, für den Großteil der Bevölkerung zumindest. Für die Generation der 9 -16 jährigen auf jeden Fall, bereits 98% benützen das Netz. Nicht in unseren Alltag eingeflossen ist allerdings das Bewusstsein über die Bedrohungen im Netz, wie Dr. Christain Stadler, Universität Wien, Robert Schischka, Computer Emergency Response Team (CERT) Austria, Mag. Leopold Löschl, Bundeskriminalamt Abt. 5.2, Brigadier Karlheinz Dudek, Leiter Fortbildung an der Sicherheitsakademie des BM.I (SIAK) und Anna Burgard, KfV, im einer Diskussionsrunde im Rahmen des Sicherheitskongresses einstimmig betonten. Eine durch das Kuratorium für Verkehrssicherheit durchgeführte Studie brachte in dieser Hinsicht erschreckendes zu Tage: 68 Prozent aller Nutzer machten Privatangaben im Netz, wobei Frauen eine niedrigere Hemmschwelle aufwiesen. Rund ein Viertel aller User seien schon mal von einer fremden Person in einem Social Network kontaktiert worden, viele hätten bereits eigene negative Erfahrungen mit Internetshopping gemacht. "Alle Formen des Cyber-Crime sind den Usern bekannt. Oftmals wurden sogar schon persönliche Erfahrungen mit einer solchen gemacht", so Burgard. Die Internet-Kriminalität sei also nicht nur weit verbreitet, sondern auch weitläufig bekannt. Dennoch: "Es gibt zu wenig Aufklärung über den richtigen Umgang mit dem Internet", so Burgard weiter.

Schischka verdeutlichte recht eindrucksvoll das falsche Gefühl von Sicherheit am eigenen, heimischen Rechner, sowie die viel niedrigere Hemmschwelle im Internet. "Wenn Ihnen auf der Straße jemand 10 Euro schenken will, klingeln doch bei jedem die Alarmglocken. Wohl niemand würde das annehmen. Bietet Ihnen aber jemand im Internet 100 Millionen Euro als Geschenk an, entstehen erst gar keine Bedenken. Entweder setzt bei 100 Millionen einfach das Gehirn aus, oder man fürchtet sich im Netz einfach vor den falschen Dingen", so Schischka. Der häufigste Angriffsfall im Internet seien eben keine Terroranschläge, sondern weitaus profanere Dinge. 

 

Patricia Linnertz

 

VKÖ beim Sicherheitskongress

 

Unsere Vereinigung Kriminaldienst Österreich ist als einzige Polizeivereinigung Mitglied des Kuratoriums Sicheres Österreich und beteiligte sich auch an diesem Sicherheitskongress. Bei einem Informationstisch wurde die soeben erschienene Broschüre „Tatort Internet“ verteilt und mittels einer Power Point Ziele und Tätigkeit der VKÖ den Besuchern nahegebracht.

 

Nachfolgende Fotos wurden uns von dankenswerterweise von der redaktionellen Leiterin des "Behörden Spiegel Newsletter - Netzwerk Sicherheit",  Frau Patricia B. Linnertz, zur Verfügung gestellt.