Treffen mit einem Spion

 

03.10.2009

Interview VKÖ: Oberst Willibald Plenk

 

Cafe Central -  ein Wiener Kaffeehaus das seit fast hundert Jahren Treffpunkt der unterschiedlichsten Politiker und Künstler, Prominenten und Intellektuellen ist. In keine dieser Kategorien fallen Spione. Und doch traf der Autor hier einen, der ihm seine Lebensgeschichte beichtete.

 

Dr. Hannes Sieberer, hat so gar nichts von dem was man sich so klischeehaft unter einem Spion vorstellt. Schon mit fünfundzwanzig Jahren führte er Agenten des INSCOM (Intellegence and Security Command) mit Sitz in München. Sein Einsatzgebiet war die DDR, wo er unter dem Decknamen  "Kurt Klepp"  einen Mitarbeiter in einer Rostocker Werft im militärisch-technischen Bereich anwerben konnte.

 

Die Stasi kam ihm auf die Spur und er wurde im Herbst 1982 verhaftet und in das berüchtigte Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen eingeliefert. Fast ein Jahr später wurde er  nach einem zweitägigen Prozess zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt.

Er wurde im Spezialgefängnis Bautzen II nahe der polnischen Grenze, für Spione und politische Häftlinge inhaftiert. Dieses  unterstand nicht, wie sonst üblich, dem Ministerium des Inneren, sondern direkt dem Ministerium für Staatssicherheit.

 

Seitenwechsel

 

Seine Verhaftung sorgte für entsprechende Schlagzeilen. Sowohl der damalige Bundeskanzler Sinowatz als auch der frühere Bundespräsident Kirchschschläger ersuchten  um seine Freilassung, vorerst ohne Erfolg.

Dies obwohl ausgezeichnete politisch-wirtschaftliche Beziehungen zwischen Wien und Ost-Berlin bestanden und die DDR um gute Verhältnisse mit Österreich bemüht war. 

Doch plötzlich, am 11. Juni 1985,  wurde er an der Glienicker Brücke  zwischen West-Berlin und Potsdam ausgetauscht. Dabei wechselten Personen aus sechs verschiedenen Staaten im wahrsten Sinne des Wortes die Seiten, unter anderem Dr. Hannes Sieberer.

 

Neubeginn

 

In seiner Heimat Tirol musste er zuerst an einen Neubeginn denken. Die Haft hatte entsprechende gesundheitliche und familiäre Schwierigkeiten hervorgerufen.

Mit dem kurz vor seiner Festnahme geborenen Sohn, der Polizist wurde, hält er bis heute Kontakt. 

Der Spion der nun keiner mehr ist, studiert an der Uni Innsbruck.  Er promoviert über "die Rolle von Nachrichtendiensten in den internationalen Beziehungen".

Nach der Wende recherchiert er seinen Fall und stößt auf fatale grundlegende Fehler der Amerikaner, die ihm und einigen anderen die Freiheit kosteten. Im Gespräch darüber ist ihm die Verbitterung noch immer anzumerken.

Beruflich geht es mit ihm bergauf. Er wird Politikberater, parlamentarischer Mitarbeiter und später  sogar Referent im Staatssekretariat des Sozialministeriums. 1993 erfolgt eine zweite Eheschließung und die Geburt einer Tochter. Heute leitet er eine Familien-und Männerberatungsstelle.

 

Das Geheimnis

 

Die Frage, warum die DDR ihn trotz höchster Fürsprache nicht früher entlassen hat, beschäftigte ihn lange.

Anwalt Vogel hat 2008 kurz vor seinem Tod das Geheimnis gelüftet. Die DDR wollte ein Faustpfand wegen ihrer in Wien 1983 aufgeflogenen Agenten. Auch der mittlerweile legendäre Markus Wolf war daher gegen die Freilassung des Österreichers. Er wurde erst 1985 beim großen Agentenaustausch berücksichtigt.  Heute lebt Dr. Hannes Sieberer in Schwaz in Tirol und ist Verfasser einiger Fachbücher aus der Zeit des Kalten Krieges.

 

 

Oberst Willibald Plenk